Theater-News - Puppentheater Marco Vollmann

Navigation
Direkt zum Seiteninhalt

Lachen und Weinen im Theater

Puppentheater Marco Vollmann
Veröffentlicht von PTVollmann in Theater-News · 30 August 2020
Tags: PuppentheaterSpielplanEmotionen
"Wenn ein Kind im Puppentheater weint, scheint was mit dem Puppentheater nicht zu stimmen."

...wurde mir mal gesagt. (Es ging da um eine Vorstellung vom Hauff'schen Märchen "Zwerg Nase".)
Wessen Kind, wann und warum, spielt keine Rolle; nach der Vorstellung waren alle entspannt und gut drauf. Der Satz ließ mich aber nicht los und forderte mich zur Positionierung zu der Frage, wie das mit dem Lachen und Weinen im Puppentheater ist.

Lachen und Puppentheater gehört einfach zusammen.
Richtig. Es gibt für mich fast nichts Schöneres, als wenn Kinder mit ihren Eltern und Großeltern zusammen herzhaft über eine Geschichte lachen können.
Aber ich frage mich, ist das Auftauchen spannender oder emotionaler Stellen in der Geschichte ein Indiz dafür, dass das Theater (und in diesem Fall Puppentheater) schlecht ist? Sind Tränen in den Augen von Kindern ein Ausdruck von schlechter Kunst?
Wohl bemerkt: Hier geht es nicht darum, ob Kinder Angst vor dem Puppentheater an sich hätten, vor dem Akteur, den Figuren, dem Bühnenbild oder der Atmosphäre im Raum. Hier geht es darum, dass Kinder der Geschichte folgen und aufgrund der Geschichte Furcht verspüren, so wie sie an anderer Stelle Spannung oder Freude erleben.

Lachen aufgrund von Running-Gags ist sicher lustig, sagt aber nichts über die Qualität der Geschichte oder der Darbietung sondern fußt auf einfachen... ich nenne es mal "Mechanismen". Das gehört natürlich auch ins Puppentheater, beschreibt aber nicht die gesamte darstellende Kunst als Solche.

Meiner Meinung nach zeugen Tränen in Kinderaugen aufgrund der Geschichte (!) davon, dass zum Einen der Darsteller vermag, Emotionen zu transportieren, und zum Anderen davon - und das finde ich noch viel wichtiger -, dass das Kind (noch) nicht abgestumpft ist, dass es nicht nur lustigem Hin und Her und frechen Sprüchen folgt, sondern dass es die Geschichte verstanden hat, dass es ein Herz hat und mit den Protagonisten mitfühlt, ...dass mit dem Kind emotional alles in Ordnung ist.

Natürlich ist Einem nicht immer nach großen Emotionen zumute. Manchmal will man einfach "nur" lachen. Erwachsene suchen sich dann die Vorstellung sehr genau aus. Wenn man sich für eine Wagner-Inszenierung entscheidet, erwartet man keinen Johann Strauss. Wenn man in ein Kabarett geht, ist es eben kein Faust.
Bei Kindern agiert man da offenbar ganz anders. Puppentheater wird oft ausschließlich mit dem lustigem Kasper verbunden.
Ich selbst spiele auch sehr gern den Kasper und liebe seine Spontanität und den Wortwitz, über den ich manchmal selbst lachen muss, während ich ihn spiele. :-D  Aber in meinem Repertoire befinden sich eben auch Märchen. Und wie wir alle Märchen kennen, wissen wir auch, dass es da relativ dramatische Szenen geben kann, ohne die die Geschichte nicht funktioniert. Denken wir da an "Rotkäppchen", an "Hänsel und Gretel"* oder eben an "Zwerg Nase". Natürlich übertreibe ich die Dramatisierung in meinen Inszenierungen nicht. Ich achte darauf, dass die bösen Charaktere nicht überzogen dargestellt werden, es stirbt auch niemand, und am Ende geht es grundsätzlich gut aus. Das halte ich für wichtig.



Ich wünschte, man würde Puppentheater differenzierter betrachten und gezielter auswählen, was man sich ansieht, z.B. welche Geschichte, in welcher Spielweise usw.. Puppentheater ist ja so unglaublich vielfältig, und es gibt wohl Nichts, was es nicht gibt. Eigentlich spannend und des Entdeckens wert.
Genauso sollte man vielleicht die Vielfältigkeit der Emotionen suchen, entdecken und fördern, denn auch das halte ich für wichtig.

Mich würde Ihre Erfahrung und Meinung dazu interessieren. Schreiben Sie mir gern.



*) "Hänsel und Gretel" spiele ich übrigens aus einem Grund nicht selbst:
Die Hexe wird im Märchen von allen erwartet- die bereitet den Kindern, wenn sie nicht überzogen gruselig gepielt wird, selten Angst. Dass aber die Eltern/Stiefeltern aus Not ihre Kinder im Wald aussetzen, und selbst als sie zurückfinden, alles daran setzen, sie "loszuwerden", war früher für mich, und ist auch für andere Kinder, eine Unmöglichkeit (oder sollte es zumindest sein).
Unsere Kinder kennen von zu Hause solche Gespräche über Geldsorgen. Nicht wenige leben in Patchworkfamilien oder mit Stiefeltern... Nicht auszudenken, was diese Szene im Märchen, die von Erwachsenen allgemein wohl als gar nicht so gruselig empfunden wird, mit Kinderseelen macht?!

Ich mache mir durchaus Gedanken über das, was ich spiele.


(c) Puppentheater Marco Vollmann
Zurück zum Seiteninhalt