04 Nov

Puppentheater Rehefelder Strasse- was nun?

Jeden Morgen frage ich mich, ob ich nicht vielleicht überragierte, in dem ich meine Vorstellungen im Puppentheater Rehefelder Strasse so kurzfristig gecancelt habe.

Auf der anderen Seite, inwieweit kann man schon überreagieren, wenn man vor einem halben Jahr nur knapp dem Krankenhaus entgangen ist, weil drei (!) beherzte Passanten den heimtückischen Angreifer von mir abgehalten haben? Damals schon musste ich einige Vorstellungen ausfallen lassen, weil ich nicht mehr spielen konnte. Und nun, wird mehreren Personen gegenüber geschworen, „es diesmal zu Ende zu bringen“ und man käme dazu ins Puppentheater, außerdem weiß man wo ich wohne.

Nein, ich denke es war eine richtige Entscheidung. Sie fiel mir aber alles andere als leicht, das kann man mir glauben.

Als ich vor etwa 14 Jahren mein Puppentheater in Pieschen eröffnete, war noch nicht absehbar, dass sich der Stadtteil mal zu einem der gefragtesten entwickeln würde. Meine Wahl fiel bewusst, weil ich hier etwas anbieten wollte, was man sonst nur im Stadtzentrum oder allenfalls in der Neustadt tun würde. Die ersten 5-6 Jahre waren dabei nur durch die zusätzlichen Gastspiele zu überbrücken.
Mit dem Theater erfüllte ich  mir nicht nur einen Traum, sondern ich baute auch mein Leben darauf auf, und es ist irgendwie mein „Kind“ geworden. Und für´s nächste Jahr hatte ich tolle Pläne, auch sollten neue Projekte hinzukommen.
Allein mit dem Wegfall der Vorstellungen in diesem November und Dezember verliere ich ein Fünftel meiner diesjährigen Einnahmen. Und wenn ich auch zukünftig nur noch Gastspiele machen kann, fehlen im Jahr ganze zwei Drittel. Dabei wird man eh nicht reich damit, sondern kommt allenfalls über die Runden. (Mein Auto ist zum Beispiel 18 Jahre alt, und einen Kurzurlaub hab ich in diesem Jahr das erste Mal gemacht.)

Was ich in den letzten Tagen erfahre, ist so viel Anteilnahme und Zuspruch von meinen wertgeschätzten Besuchern und Puppentheaterfreunden. Auch möchte man mir gern helfen. Von „öffentlichkeitswirksamen Aktionen“ war die Rede, sogar einen Spendenaufruf wollte jemand starten. 🙂 Und eine seriöse sächsische Tageszeitung wollte einen Artikel schreiben.

Es tut so gut, zu sehen, dass das, was ich hier aufgebaut habe, nicht nur ein netter Zeitvertreib für die Gäste war, sondern einen festen Platz in der Stadt erhielt.

Natürlich kann ich hier nicht wirklich erzählen, um was es geht. Es ist an sich ein privates Problem eines Menschen, der mich für Dinge verantwortlich macht, für die ich nichts kann. Eigentlich kenne ich ihn gar nicht. Ich habe niemanden etwas getan. Aber leider sind für manche Menschen Fakten und Argumente keine Realität, wenn Hirnwindungen offenbar etwas simpel verknotet sind. Vom bedauernswerten Ausgang, ähnlicher Problematiken konnte man schon mehrfach hören und lesen. Darauf will ich es nicht ankommen lasssen. Eine öffentliche Debatte würde solche Leute nicht etwa abschrecken, sondern sie nur bestärken. Stolz ist ja so ein dummer Ratgeber!
Die staatlichen Behörden sind natürlich eingeschalten- schon seit langem, jetzt wieder, und nicht nur in meinem Fall.

Wie man mir helfen könnte, weiß ich nicht. Meinen finanziellen Verlust und die Unsicherheit, wie ich die kommenden Monate und die Zukunft überstehe, kann ich nicht auf meine Gäste abwälzen, obwohl ich weiß, dass dazu Einige bereit wären, wie ich es schon vor ein paar Jahren, bei der Anschaffung der Lichttraverse, erleben durfte. Ich könnte ja nicht mal eine Spendenbescheinigung ausstellen.
Natürlich gäbe es Möglichkeiten- über Paypal auf die E-Mailadresse des Puppentheaters zum Beispiel- das nur mal nebenbei für „ganz Unverbesserliche“ 🙂 (in dem Fall bitte als Privat-Überweisung tätigen, ansonsten fallen prozentuale Gebühren an).

Jeder meiner Besucher kennt doch die räumlichen Bedingungen und kann sich vorstellen, was in etwa notwendig wäre. Vielleicht weiß jemand einen Raum, ein Kulturhaus oder eine Gaststätte, in dem/der ich kurzfristig die Vorstellungen doch noch durchführen kann oder in dem ich mit dem Puppentheater mittelfristig ausweichen könnte. Ich denke, es würde eine Bereicherung für den Ort. Im selben Stadtgebiet geht es jedenfalls nicht.

Im Moment versuche ich halbwegs zu organisieren, was notwendig ist. Privat muss ich auch umziehen und mich zukünftig aus der Öffentlichkeit mehr raushalten, als bisher.

Danke für den Beistand und die Unterstützung.

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